Eine freie Trauung im Garten oder Die wundersame Geschichte des selbstpflanzenden Baumes

 

Machen wir uns nichts vor: Egal, ob freie Trauung oder nicht – so ganz entspannt ist das Paar an seinem Hochzeitstag meist nicht. Und das ist völlig okay. Schließlich hat der Tag eine große symbolische Bedeutung.

 

Zwei Menschen bekennen sich zueinander, möchten den Rest ihres Lebens miteinander verbringen.

 

Das ist nicht ohne.

 

Es ist aber auch schlichtweg eine große Feier. Mitunter trifft man auf Verwandte, die man seltener sieht. Tanten, Onkel, Cousins, Freunde, die vielleicht in aller Welt verstreut leben und nur für diesen Tag anreisen.

 

Und man möchte, dass sich die Gäste wohlfühlen.

 

Wenn mich meine Rednertätigkeit jedoch eins gelehrt hat, dann dass eine freie Trauung auch frei von künstlichem Pathos sein sollte. Jeder – das Paar, die Hochzeitsgäste, der Redner, ggf. die Angestellten der Gastronomie – ist weiterhin ein Mensch.

 

Ein Tag mit großer Bedeutung? Ja.

 

Ein Tag, an dem alles bis ins letzte Detail durchgeplant perfekt funktionieren muss? Nein.

 

Das ist auch gar nicht möglich. Und das ist eine gute Nachricht.

Von hilfreichen Verwandten

Vor nicht allzu langer Zeit kam es diesbezüglich zu einem Vorfall, der zum Schmunzeln einlädt.

 

Das Hochzeitspaar war extra aus der Schweiz angereist, um sich hier in der alten Heimat des Bräutigams das Ja-Wort zu geben. Es war keine sehr große Hochzeitsgesellschaft, aber natürlich hatten viele eine lange Reise auf sich genommen.

 

Und wie das so ist: Kurz vor der Trauung wurde es noch einmal aufregend.

 

Das Paar hatte sich vorab dafür entschieden, ein Bäumchen zu pflanzen, statt Ringe zu tauschen, Als ich ankam, standen das Bäumchen und die Erde in der Hochzeitslocation bereit. Alles prima.

 

Dann, 5 Minuten bevor es losgehen sollte, trug der Schwager das Bäumchen hinaus in den wunderschönen Garten, wo die freie Trauung stattfinden sollte.

 

Aber was war das? Das Bäumchen war fein säuberlich eingepflanzt!

 

Er dachte, es handele sich bloß um Dekoration, wollte helfen und hatte das Bäumchen ordentlich bis zum Rand des Blumenkübels eingepflanzt und die Erde festgedrückt.

 

Das bekam auch das Brautpaar mit, das schon bereit stand, und die Braut war erst einmal, sagen wir, verwirrt.

Auch das bedeutet „frei“

Schnell schaltete ich, besorgte zwei Löffel, grub das Bäumchen teilweise wieder aus und füllte die Erde in 2 Behälter, die ich sicherheitshalber mitgebracht hatte.

 

Das symbolische Einpflanzen konnte also stattfinden.

 

Der engagierte Schwager sorgte nachher während der Rede noch für einen Lacher, denn natürlich habe ich das kleine Malheur scherzhaft in der Rede aufgegriffen. (Die Gäste hatten das Ganze ja nicht mitbekommen.)

 

Auch das bedeutet für mich eine freie Rede: Auf die Situation eingehen, menschlich sein, Spaß haben und die Dinge beim Namen nennen. Selbst die Braut konnte über das etwas übereifrige Engagement ihres Schwagers ordentlich lachen.

 

Er hatte für sie das Bäumchen gepflanzt! Das hatte ich auch noch nicht erlebt.

 

Aber zeigte das nicht, wie hilfsbereit ihre Verwandtschaft ist? Jeder packte an diesem Tag mit an, versuchte es dem Brautpaar so einfach und stressfrei wie möglich zu machen. Und genauso formulierte ich es auch in der Rede. Aus dem vemeintlichen Fehler hatte sich eine unterhaltsame Situation ergeben, die auch noch zeigte, wie die Familie zusammenhält. Wie schön!

 

Das ist ein Erlebnis, das mir sicherlich in Erinnerung bleiben wird. Ebenso wie die Lacher und den Satz des Schwagers im Anschluss an die Rede: „Da haben Sie meinen Fehler ja noch schön zu meinen Gunsten interpretiert.“ Dann lachten wir und stießen an. Ein angenehmer Abschluss einer fantastischen freien Trauung.